Montag, 1. August 2011

9. Tag

Das Wetter zwingt zum Rückzug !


Nach einer ausführlichen Telefonkonferenz mit dem DWD Leipzig (Gerold Weber) und nach unserer Teilnahme am morgendlichen Briefing der 16. Segelflug-Europameisterschaft in Pociunai haben wir uns heute für den Rückflug nach Deutschland entschlossen. 

 
Die beim Briefing dargestellte Vorhersagekarte der Druckverteilung in Osteuropa zeigt, dass wir in den nächsten 3 Tagen vom  Hochdruckeinfluss über Nord- und Mittelpolen profitieren könnten und so haben wir uns nach langer Diskussion für den Rückflug nach Polen und zur Wochenmitte nach Deutschland entschieden.

 
Das Foto zeigt die Vorhersagekarte für morgen, der runde Kreis zeigt unseren jetzigen Standort Pociunai in Litauen (kleiner Kreis Bildmitte nicht der untere Kopfkreis !). Heute wurde hier ein Wertungstag ausgetragen und bei einer Basishöhe zwischen 800 und 1000 m GND waren Aufgaben zwischen 170 und  knapp 200 km ausgeschrieben. Es gab einige Aussenlandungen und manche „Langlöffel“ waren über 4 Stunden unterwegs. Zum Abend soll noch eine Kaltfront durchgehen und der Wind dreht auf Nord. Da haben wir wenigstens morgen keinen Gegenwind denn der erste Streckenabschnitt führt in südwestliche Richtung nach Sulwalki in Polen. Als Tagesziel haben wir uns Olsztyn vorgenommen (knapp 300 km) aber da muss das Wetter wirklich passen, weil wir als nachgemeldete Europameisterschaftsteilnehmer nur noch in der „Offenen Klasse“ starten dürfen ;-) .


Achja – das hatte ich ja noch gar nicht erwähnt; wir sind für die Europameisterschaft nachnominiert worden und werden morgen als Team „Sachsen 1“ und „Sachsen 2“ beim zweiten Wettkampftag in der offenen Klasse mit an den Start gehen ;-) .

Das nächsten Bild zeigt das Team beim Pressetermin und die nachfolgenden Bilder einige Impressionen vom heutigen Wettkampftag an dem wir, wegen verspäteter Nachmeldung (andere Zeitzone !!), noch nicht teilnehmen konnten.


“Sachsenteam 1 und 2”  - 16. European Gliding Championship 2011 in Pociunai Litauen.




Wir melden uns morgen am späten Abend.

… sind dann mal unterwegs …

Sonntag, 31. Juli 2011

8. Tag

Das Wetter ist hier wie in Deutschland – für Streckenflüge wenig geeignet!

Wie gestern schon berichtet, sind wir zur Zeit in Litauen auf dem Flugplatz Pociunai südlich von Kaunas. Hier findet zur Zeit der 16. European Gliding Championship 2011 statt. Angela - du wirst es nicht glauben, wir haben die ASK 21 neben einer ASW 22 aus Lanzen Turnau festgemacht! Die Welt ist klein – vielleicht haben die beiden Flugzeuge vor 3 Wochen schon mal zusammen auf dem Platz gestanden!?
So sah es heute gegen Mittag auf dem Platz aus. Wenig später kam dann die Botschaft des Tages über Funk:

“ … The competitions day was cancelled … !“

Wir hatten schon am frühen Morgen „ins Wetter geschaut“ und wunderten uns über das hektische Treiben auf dem Platz. Im Laufe des Nachmittags waren nämlich Gewitter für die Region angekündigt. Und dann ging es auch ziemlich schnell und wir haben die ASK sicherheitshalber abgerüstet und den Puchacz am Waldrand fest verankert.
Einen Segelflugstart haben wir dann noch gesehen. Ein hiesiger Puchacz ist  zu einem Wetterflug gestartet und war 20 Minuten später wieder unten.
 Leider ist für morgen auch kein gutes Wetter angesagt, sodass wir im Moment am grübeln sind – wie nun weiter ?!

Die Vorhersage für Dienstag sieht sehr verheißungsvoll aus, aber leider nicht in unsere geplante Richtung. Die kommende Wetterlage eignet sich dann eher für einen schnellen Rückflug über Polen nach Deutschland. Wir werden morgen am frühen Vormittag in Leipzig anrufen und mit Gerold Weber (DWD) über die Wetterentwicklung sprechen und dann eine Entscheidung treffen.
Im Moment gute Aussichten für einen zügigen Rückzug! Aber wir sind noch nicht bereit dazu!

Samstag, 30. Juli 2011

7. Tag - Der zweite Grenzüberflug von Polen nach Litauen



Heute sind wir nun den 7.Tag unterwegs und der Bericht soll, als Zwischenbilanz, etwas länger werden. Das nachstehende Bild zeigt den bisherigen Verlauf unserer Route wobei die Autostrecke blau und die geflogene Strecke rot dargestellt ist.
Quelle Bild GoogleMaps: http://maps.google.de/maps

Wie bereits berichtet hatten wir gestern den Aeroklub Suwalski erreicht, um eventuell an das Wetterfenster im Nordosten Polens Anschluß zu bekommen.

Nach einem überaus freundlichen Empfang durch die hiesigen Flugsportler ging es am Lagerfeuer bis in die Nacht und nach der dritten Runde „Kräuter“ verstanden alle alles, obwohl die polnischen Flieger kein deutsch und wir kein polnisch konnten. Henry hat als Übersetzer einen guten Job gemacht und mit Jana (im nächsten Bild rechts oben), die relativ gut englisch sprach, alle kleinen Verständnisprobleme niedergekämpft.



Sehr interessant war u. a. die Tatsache das der hiesige Klub in den letzten Jahren insgesamt 6 Bociane aus Deutschland  gekauft hat !? Im Heimatland der Bociane ist das schon verwunderlich, wenn man bedenkt dass die Westgrenze zu Deutschland rund 600 km entfernt ist. Aber es sollte noch kurioser werden mit den Bocianen – dazu später mehr.
 


Beim Frühstück am Morgen war schon klar - dass wird heute ein fliegbarer Tag. Die Stimmung wurde noch besser. Beim Frühstück unter freiem Himmel konnte Toni noch mit den Ascherslebener Fliegerfreunden über Skype kommunizieren und beste Grüße aus der Heimat empfangen. Beste Grüße zurück auch an den 5er Club !





Beim Aufrüsten der Flugzeuge waren die polnischen KameradInnen sehr hilfbereit und unser Lutz wurde zu einer Sondermission gerufen.

Keine Angst ihr Daheimgebleibenen ! Es ging um einem Bocian den Lutz vor  einem Jahr geprüft hatte – die ostpolnischen Flieger hatten doch wirklich einen Bocian aus Sachsen gekauft – nämlich aus Auerbach. 

So ist das mit unserem Lutz – wo man hinkommt kennt man ihn schon - zumindest in der Papierform.

Jetzt war die Zeit schon fortgeschritten und wir mussten unbedingt starten. Toni hatte beim Wetterbriefing vor einer Gewitterlinie gewarnt die Pociunai, das war unser Tagesziel in Litauen, gegen 16 Uhr erreichen sollte.

Lutz und Henry starteten mit dem Puchacz zuerst und konnten gleich aus der Winde einen schwachen Bart für die ersten Höhenmeter nutzen.
Dann startete die Jugendbrigade mit Fabian und Kisi am Knüppel der ASK 21.

Hier der Bericht von Henry über den Zielstreckenflug von Suwalski nach Pociunai: Nach dem Start von Puchacz und ASK bei welchen der Flugplatzhund durch das hohe Gras nicht weit vom Cockpit mit rannte begann der Kampf ums Obenbleiben. Die Basis bei ca. 1200 m GND und ein ungewohntes Bild potentieller Außenlandeflächen sorgten für manche Schweißperle im Gesicht.

Jeder kleinste Aufwind wurde genutzt, was bei der geringen Basishöhe letztendlich zum Erfolg führte. Kurz vor der Gewitterfront landeten wir auf dem Zielflugplatz fast zeitgleich mit der Ankunft der Rückholer.
Das voranstehende Bild, aufgenommen aus der ASK, zeigt den Flugplatz Pociunai mit vielen abgestellten Seglern. An diesem Wochenende beginnt hier ein internationaler Segelflugwettbewerb.




Hier die Helden des heutigen Tages:
Fabian und Kisi

Lutz und Henry

Freitag, 29. Juli 2011

6. Tag

Wir sind am Aeroklub Suwalki ca. 40 Kilometer vor der litauischen Grenze zu Gast.

Nach einem opulenten Frühstück im „Gut Wilhelmsdorf“ haben wir heute die Wolfsschanze besucht und dann die Anhänger vom Flugplatz  Ketrzyn geholt. Als Abstellgebühr für den ASK-Anhänger und  dem offenen Puchaczanhänger, der im Hangar übernachtete, wurden uns insgesamt 22 Euro berechnet. Das ist nicht wenig !
Die Besichtigung der Bunkeranlagen im Bereich der Wolfsschanze war interessant aber wenig informativ.

Beim Hängerabholen in Ketrzyn konnten wir noch einen Blick in eine zweite Halle werfen und dort stand eine nagelneue Wilga 2000 mit Lycomingtriebwerk, Schleppkupplung usw.
Gegen 15 Uhr Ortszeit waren wir dann in Suwalki und haben dort sehr nette Fliegerkameraden angetroffen. Wir haben den Schlüssel für das Hauptgebäude bekommen und können hier alles nutzen. Im Moment machen wir gerade Kartenstudium für den morgigen Tag. Hier am Flugplatz wird im Moment nur Windenstart durchgeführt. Es sind auch Starts unter der Woche möglich.

Die Vorhersagekarte für morgen von Wetter-Jetzt zeigt ein hoffnungsvolles Wetterfenster nach Litauen.




Wir melden uns am morgigen Abend !

Donnerstag, 28. Juli 2011

5. Tag

Sind jetzt in den Masuren !

Nach einer Telefonkonferenz am frühen Morgen mit Gerold Weber vom DWD Leipzig haben wir uns entschlossen dem Schlechtwettergebiet zu entfliehen und zunächst nach Ketrzyn in Richtung Litauen umzusetzen.
Also den Puchacz wieder auf den Hänger, die Sachen gepackt und nach einer herzlichen Verabschiedung von unseren neuen Fliegerfreunden in Grudziadz - ging es 224 km noch Osten in die Masuren. Ketrzyn soll nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Suwalki sein, wo wir für den Freitag, also morgen, angemeldet sind.

Das Etappenziel Ketrzyn haben wir nicht zufällig ausgewählt, sondern hier wollen wir die „Wolfsschanze“ besuchen. Auf dem Flugplatz Ketrzyn gibt es nur selten Segelflugbetrieb – es soll ein „privater“ Motorflugplatz sein. Die Kameraden aus Grudziadz hatten uns deshalb Sulwaki empfohlen.  Hier sollen auch Windenstarts unter der Woche möglich sein. Das nachstehende Bild zeigt uns bei einer Kaffeepause nahe Olsztyn. 

 
Kurz nach dem Stopp passierten wir den dortigen Flugplatz, der direkt an einer Hauptverkehrsstraße liegt.



Bei allen unseren Straßentransporten, besonders bei Stadtdurchfahrten, haben sich unsere stationären CB-Funkgeräte, die wir fest in den Fahrzeugen installiert haben, bewährt. So konnten wir immer Kontakt halten und beim „Stop and Go“ in den Städten auch mal eine Grünphase verpassen, ohne uns zu verlieren (sinnvolles Ausrüstungsdetail !).
Auffällig sind die vielen Radarfallen in Polen! Fast in jedem Dorf ist mindesten ein stationärer Blitzer aufgestellt. Hier haben sich unsere Auto-Navigeräte bewährt, die uns mit dem Hinweis „Achtung Gefahrenstelle“ „preiswert“ über die Strecke bringen sollen.

 
Auf der Strecke von Grudziadz nach Ketrzyn haben wir übrigens unzählige Störche und viele mit Jungtieren bestückte Nester gesehen. Das Gebiet macht unserem bewährten Doppelsitzer „Bocian“ alle Ehre. Auffällig war auch, dass wir vielen schwangeren jungen Frauen und jungen Müttern begegnet sind. Vielleicht gibt es da doch einen Zusammenhang !?


 


Gegen 20.30 Uhr waren wir dann am Flugplatz Ketrzyn, dem ehemaligen Militärflug- platz des geheimen Führer-hauptquartiers (auch als Wolfsschanze bekannt). Auf dem Bild sieht man einen Techniker mit „Blaumann“, der aber vermutlich nicht zum engeren Vertrautenkreis des Führers gehörte.



 


Untergekommen sind wir dann im „Gut Wilhelmsdorf“,  welches in den Jahren  1941 - 1944   als  Gäste- und Versorgungshaus im Komplex des Führerhaupt- quartiers fungierte.







Das besondere HighLight des Tages stand dann aber neben unserem Puchacz-Anhänger in der historischen Flugzeughalle. 
Ein  „Puchatek“ - der Traum
eines jeden GST- Flug- lehrers. Leider hat dieser Metalldoppelsitzer, der den Puchacz ablösen sollte, nie den Weg in die ehemalige DDR gefunden. Es blieb bei wenigen Exemplaren, die in den 80ger Jahren gebaut wurden.



Zum Abschluß noch einen kleinen hoffnungsvollen Nachsatz:

…am Samstag soll es ein kleines Wetterfenster nach Litauen geben …



Mittwoch, 27. Juli 2011

4. Tag


 Wir sitzen in der Wetterfalle und denken über eine Standortverlagerung nach !

 
Heute hat es den ganzen Tag geregnet und wir haben unsere Sachen geordnet und mal kurz nach dem Puchascz in der Segelflughalle geschaut. Die Stimmung ist gut und unsere Kranken kommen immer besser auf die Beine.
Am Vormittag haben wir Gerold Weber vom DWD in Leipzig angerufen und um eine großräumige Wetterberatung gebeten. Es sieht in alle Richtungen im Moment eher bescheiden aus. Morgen am frühen Vormittag wollen wir, nach einem weiteren Telefonat mit Gerold, die Entscheidung über eine eventuelle Standortverlagerung treffen. Wohin wir dann fahren werden, wissen wir noch nicht. Am liebsten würden wir natürlich nach Osten verlagern, aber da scheint es erst am Anfang der nächsten Woche besser zu werden. Mal sehen ! 



 

Am Nachmittag waren wir zum Einkaufen und zum Stadtbummel in Grudziadz (Graudenz). Eine Stadt auf einer kleinen Anhöhe mit einem schönen Blick auf die Weichsel. Graudenz ist durch den imposanten Festungsbau und die Belagerung im 2. Weltkrieg in die Geschichte eingegangen.






Wir haben noch einige Informationen zu Flugplätzen bekommen, die sehr gut als Zwischenstopp für Wandersegelflüge geeignet sind. 
Der ca. 100 km östlich gelegene Flugplatz Olsztyn soll auch über ähnliche


Möglichkeiten verfügen, sodass auch hier fast täglich W- und F-Schlepps möglich sind. Auch die Infrastruktur dort ähnelt der in Grudziadz.
 

Der nächste Flugplatz reichlich 100 km östlich von Olsztyn mit guten Möglichkeiten für Starts unter der Woche ist Suwalki kurz vor der litauischen Grenze. Auch hier sollen beste Startmöglichkeiten für Wandersegelflieger vorhanden sein.


 



Wie gesagt - uns ist noch nicht langweilig:


… guckst Du … !

Dienstag, 26. Juli 2011

3. Tag

Kein Streckenflugwetter aber sehr interessante Begegnungen auf  dem Segelflugplatz Grudziadz

Obwohl wir heute nicht in der Luft gekommen sind, konnten wir sehr viele nützliche Informationen über die Fliegerei und natürlich über den Segelflug hier in Polen erfahren.
Ich schreibe den Bericht aus dem sehr großzügig eingerichteten Schulungsraum der „Segelflugschule“ Grudziadz, der mit W-LAN, 2 Computern, vielen Unterrichtsmaterialien, Fax usw. ausgestattet ist. Der Flugbetrieb mit Winde und F-Schlepp ist noch im vollen Gange (20 Uhr Ortszeit). Unser  Puchascz, der nach der gestrigen einwandfreien Außenlandung wieder aufgerüstetet wurde, hat mit Hilfe einer Flasche „Kräutergeist“ sogar einen Hallenplatz bekommen. Die ASK haben wir noch im Hänger gelassen.

Ein paar Worte zum heutigen Tag: 
Das Bild zeigt das ritualisierte „Beladen“ der Fahrzeuge vor unserem Hotel mit Internetzugang (!). Das Wetter war nicht streckenflugtauglich, sodass wir in Ruhe auf Flugplatzsuche gehen konnten. Zunächst wurde der Flugplatz Watorowo (EPWT) 40 km nordöstlich von Bydgoszcz angefahren.
Ein „Schicki-Micki-Motorflugplatz“ mit freundlichen und auch englisch sprechenden Motorfliegern, die uns aber gleich nach Grudziadz / Lisie Katy (EPGI) weiter schickten.
Vielleicht erinnert ihr euch, das war ja unser Etappenziel von Eisenhüttenstadt aus.
Eines sei gleich vorweggenommen - Grudziadz ist wirklich einen Wandersegelflug-Stop wert. Einige von uns wollten gleich hier bleiben und ein scheinbar laufendes Fliegerlager mitmachen. Wir erfuhren dann, dass hier eigentlich jeden Tag Segelflug-Basislehrgänge laufen, sodass Winden- und F-Schleppstarts, auch für Wandersegler, immer  möglich sind. Preiswerte Zimmer incl. Verpflegung mit einem angenehmen Charme fast vergessener Zeiten machen die Flugpause  angenehm. 

Die Segelflugausbildung läuft hier streng organisiert ab und es sind ca. 20-30 Segler stationiert. Man nahm sich für uns und unsere Fragen sehr viel Zeit und wir wurden gut über die Segelflugmöglichkeiten weiter gen Osten informiert (es wird englisch und ein wenig deutsch gesprochen). Von hier aus werden übrigens regelmäßig Flüge nach Litauen durchgeführt und man bestätigte uns den flugplanfreien Überflug der polnischen Grenze nach Litauen.
Eine besondere Freude ist heute auch, dass es unserem Lutz wieder besser geht: „… jetzt lacht er wieder … Gott sei dank !“


… wir sind dann noch hier …